Haus Z / Historischer Charme trifft modernes Design

Fotos: Hertha Hurnaus

Inmitten der malerischen Landschaft im Süden von Wien liegt die Stadt Berndorf, deren Entwicklung maßgeblich von der Familie Krupp geprägt wurde.
Arthur Krupp ließ neben den Industriebetrieben eine Volksschule, ein öffentliches Bad sowie Angestelltenhäuser errichten.
Die neobarocke Margaretenkirche, die als Wahrzeichen der Stadtgemeinde Berndorf gilt, wurde ebenfalls von der Familie Krupp gestiftet.
In diesem geschichtsträchtigen Umfeld wurde die historische Villa unserer Bauherrin am Beginn des 19. Jahrhunderts erbaut.

Aufgabenstellung und Wünsche der Bauherrin:

Die Besitzerin hatte den Wunsch, die Essenz des über hundertfünfzig Jahre alten Gebäudes, das mehrere Umbauten erfahren hat, herauszuarbeiten und durch einen neuen Anbau die Wohnnutzfläche entsprechend den Bedürfnissen zu erweitern.
Und die Gebäudetechnik sollte den heutigen Anforderungen angepasst werden.

Entwurfsgedanke:

Die historische Villa mit ihrer Putzfassade, den Holzkastenfenstern, einem Erker und Balkon sowie einem Walmdach mit Ziegeldeckung und Kupferverblechung wurde um einen klar ablesbaren kubischen Anbau erweitert. Der Anbau trägt dem Wunsch nach Ressourcenschonung und dem Einsatz von ökologischen Materialien Rechnung und wurde in Massivholzplattenbauweise umgesetzt.

Erscheinungsbild:

Das äußere Erscheinungsbild des Zubaus greift die historische Deckleistenschalung der Windfangzubauten und der Badehäuser (z.B. Thermalbad Bad Fischau) dieser Region auf. Dunkelgrüne Fichtenholzbretter wechseln sich mit rosafarbenen Holzlatten ab und bilden das fröhliche Holzkleid des Zubaus. Die großzügigen Fensterportale des Anbaus wurden mit schmalen, brünierten Stahlrahmenprofilen und einer 3-fach Verglasung ausgeführt. Die Schlankheit dieser Fensterprofile unterstreicht das reduzierte Erscheinungsbild des Neubaus. Die Außenhülle des historischen Gebäudes wurde grundlegend saniert, die alten Holzkastenfenster durch neue Holzkastenfenster mit Isolierverglasung ersetzt.

Räumliche Neuausrichtung des Gebäudes:

Das Hauptaugenmerk des Entwurfs lag in der Schaffung eines fließenden, offenen Raumerlebnisses.

Die Erdgeschoßzone des Altbestandes wurde komplett entkernt. Wohnen, essen und kochen gehen ineinander über, die unterschiedlichen Raumstimmungen verschränken sich.

Im neu geschaffenen, vollverglasten Essbereich bildet der große Esstisch das Zentrum. Die Transparenz zum Außenraum schafft eine Atmosphäre des Essens im Freien. Elektrisch gesteuerte Holzjalousien ermöglichen bei Bedarf einen Sicht- und Sonnenschutz.

Der Kochbereich mit seinem zweigeschossig vorgelagerten zweiten Wohnbereich bildet das kommunikative Herz des Hauses.
Als Kontrast zur schlichten Küche steht hier ein außergewöhnlicher Kachelofen mit handgefertigten Kacheln der Firma Karan aus Vorarlberg.
Die direkt anschließende Terrasse führt den Besucher in den Garten.

Im Obergeschoss befinden sich die privaten Räumlichkeiten sowie eine weitere Terrasse. Dieses Geschoss ist räumlich mit dem Erdgeschoss durch eine zweigeschossige Galerie verbunden.

Die Galerie im Zubau dient sowohl als Verbindung zwischen Alt- und Neubau, Erdgeschoss und Obergeschoss als auch als Rückzugsort und Arbeitsbereich.

Das ausgebaute Dachgeschoß beherbergt eine Wellnessoase mit Fernblick über die Dächer von Berndorf zur Margaretenkirche und dem Krupp Mausoleum.

Bauphysikalische und technische Sanierung:

Der gesamte Altbestand wurde trockengelegt. Um die historische Fassade erhalten zu können, wurde auf eine Dämmung im Außenbereich verzichtet. Anstelle dessen wurden alle Außenwände des Bestandes auf der Innenseite mit 10 cm starken Dämmplatten aus Kalziumsilikat ausgeführt.
Die alten Holzkastenfenster wurden getauscht und durch neue Holzkastenfenster mit Isolierverglasung ersetzt.
Das Dach wurde mit einer 30 cm Dämmstärke versehen und zusätzliches Licht- und Ausblicke wurden durch den Einbau von Dachflächenfenstern geschaffen.
Die alte Ölheizung wurde entfernt und durch eine Sole-Wärmepumpe mit Tiefenbohrungen ersetzt.
Ebenso wurde die gesamte Elektrik auf ein Smart-Home System umgebaut.